Wer einmal eine Stadt – zumal eine Großstadt – kennen gelernt hat, die vor lauter Asphalt und Beton für die Natur nicht mehr viel übrig hat, jedenfalls aber keinen Platz, wird verstehen, wie wichtig es ist, schöne, vor allem auch alte Straßenbäume, weitläufige Parks, öffentliche Grünflächen und Gärten, bewachsene Seen, Fluss- und Kanalufer und vielleicht sogar ein Wäldchen in erreichbarer Nähe zu haben – und das nicht nur in den privilegierten Stadtteilen, sondern auch in den bevölkerungsreichen.
Die "20 grünen Hauptwege“ kommen den Berlinern und ihrer Stadtnatur großzügig entgegen. Sie haben eine Gesamtlänge von mehr als 500 Kilometern und durchziehen die ganze Stadt. Sie verbinden Landschaftsräume miteinander, aber auch die Berliner City mit der Mark Brandenburg – entlang von grünen Frischluftschneisen, gebildet aus Parks, Kleingärten, Friedhöfen, Brachen, Wäldern, Gewässern und Feldern. Mehr als 3 Kilometer ist wohl kaum eine Wohnadresse von einem der grünen Hauptwege entfernt; lokale Grünverbindungen, die zu ihnen hin führen, liegen noch näher.
Dieses Motto steht über dem Freizeit- und Erholungsplan des Berliner Landschaftsprogramms. Es wurde erstmals 1984 gesetzeskräftig verabschiedet. Ursprünglich noch in jenem (West-)Berlin entworfen, dem 1961 durch den Bau der Mauer von einem Tag auf den anderen das Umland abhanden kam, war es auch ein Ausdruck der Widerstände, die endlich dadurch auf den Plan gerufen wurden, dass Grün- und Freiräume immer wieder anderen Prioritäten geopfert wurden.
1989 fiel die Mauer, Berlin bekam sein Umland wieder, und das Problem der begrenzten Fläche schien für manche gelöst. Ein sogenannter "Speckgürtel“ entwickelte sich um Berlin. Die Stadtkante – eine Seltenheit, da Städte in aller Welt landsuchend und dabei Freiflächen fressend ausufern – drohte verloren zu gehen. Auf andere Weise kehrte das Umlandproblem zurück.
Das Landschaftsprogramm wurde überarbeitet. Es soll weiterhin den Grünreichtum der Stadt sichern helfen, der, mehr noch als ihren Bewohnern, den Besuchern aus aller Welt als etwas Besonderes auffällt. 1994, zehn Jahre nach dem ersten, wurde das Berliner "LaPro“ – diesmal für beide Teile der Stadt – vom Abgeordnetenhaus verabschiedet. Die gesamtstädtische Planung der "20 grünen Hauptwege“ beruht darauf. Sie zeichnet die großen überlokalen Grünverbindungen, die dem Biotopverbund und damit der Regeneration der städtischen Natur dienen, als ein Netz von Spazierwegen nach, das den Erholung suchenden Stadtmenschen zugute kommen soll.