Doch das Vorhaben eines Netzes grüner Korridore samt stadtweiten Erholungswegen blieb 10 Jahre liegen. Anderes schien wichtiger und ging – wie üblich – vor. Für eine Stadt von der Größe Berlins ist das ambitionierte Vorhaben, sogar Fußgängern (nach Auto- und Radfahrern) so weite, so gut vernetzte, so attraktive und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Wege zu ebnen, einmalig.
Einmalig ist auch das Bürgerprojekt, das dieses Vorhaben möglicherweise vor dem Vergessen bewahrte. Es hat sich diese Planung gewissermaßen zu eigen gemacht und damit nicht zuletzt die demokratische Planungskultur um ein interessantes Modell bereichert. Und: Es scheint, gemessen an den bisherigen Erfolgen, sogar zu funktionieren.
Die Vision von einer Stadt MIT Natur, wo man nicht erst weit fahren muss, nur um abseits von Lärm und Verkehr einmal "durchatmen“ zu können, vermag offenbar nicht nur zu überzeugen, sondern macht auch Lust auf Engagement. Dass hierbei die Füße ins Spiel kommen, Langsamkeit, Muße und Nachdenken über Stadt, scheint, im Nachhinein betrachtet, nur folgerichtig.
Das Bürgerprojekt mobilisierte, zunächst unter dem Namen "Ein Plan für 20 grüne Hauptwege“ rund 100 ehrenamtlich Tätige, die als Flaneurinnen und Flaneure zwischen 2004 und 2005 das geplante Wegenetz abgingen, Besonderheiten und Probleme erkundeten, Lücken herausfanden und zu ihrer Überbrückung temporäre Umwege vorschlugen. Ihre "Berichte“ wurden für einen großen Teil der Wege bereits ausgewertet und der Verwaltung zur Verfügung gestellt. Ursprünglich in der Trägerschaft des Fachverbands Fußverkehr Deutschland FUSS e.V., wird das Projekt seit Mitte 2005 als "Netzwerk für 20 grüne Hauptwege in Berlin“ in gemeinsamer Trägerschaft von FUSS e.V. und BUND Berlin e.V. fortgeführt.
Im April 2006 wurde die bereits eingespielte Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bürgerprojekt auch formal besiegelt. Die beiden Nichtregierungsorganisationen, BUND Berlin e.V. und FUSS e.V., und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung, um die Realisierung der 20 grünen Hauptwege gemeinsam voran zu bringen.
Das beeindruckende Ergebnis und erste veröffentlichte Produkt der Kooperation ist eine Karte von ganz Berlin, die das geplante grüne Hauptwegenetz in seiner ersten Form darstellt: Aus vorläufigen Umwegen und den bereits existierenden Wegen sowie – oft sogar großen – Streckenabschnitten wurde ein durchgängig begehbares Ganzes zusammengefügt. Die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hergestellte digitale Karte wurde im Frühjahr 2006 ins Internet gestellt. "Die Spazierwege sind geöffnet!“ heißt es im Begleittext der Verwaltung dazu. Bereits im August des Jahres wurde der erste Plan von einer erweiterten Karte abgelöst, einer virtuellen Wanderkarte, die mehrere Karten des Fachlichen Informationssystems der Senatsverwaltung miteinander verknüpft.
Ein strategisches Werk, das Vision und Umsetzung der Planung durch ein konkretes Produkt, die "Urkarte“ – so wird sie von den Flaneurinnen und Flaneure des Bürgerprojekts gern genannt –, miteinander verbindet.